Titelbild:  Das Plakat zum Smart City Lab

Mit vielen «kann», «müsste», «sollte» usw. haben am 10.4.2019 Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, der Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen Benedikt Würth und SBB CEO Andreas Meyer das sogenannte «Smart City Lab» auf dem Wolf Areal eröffnet. Als erstes wurden die geladenen Gäste, Partnerinnen und Partner und die Journalisten weit über 20 Minuten warten gelassen, dann gab es eine Grussbotschaft der Basler Regierung überbracht durch Regierungsrätin Ackermann. Es hat genau ein Jahr gedauert, bis aus der Unterzeichnung, damals im Rathaus, der Planungsvereinbarung nun zur Eröffnung dieser Institution geschritten werden konnte. Wobei das gezeigte eher enttäuschend ist aber dazu später im Artikel. Man wolle ein gemeinsames Stück Zukunft für Basel schaffen. Eine smarte Stadt setze moderne, digitale Anwendungen für die Lebensqualität der Menschen ein. Man wolle weiterhin der baslerischen, humanistischen Tradition folgen und den Menschen ins Zentrum der Entwicklung stellen, das heisst, gutes Leben und gute Lebensqualität. Dazu gehören Ressourcenschonung, Weltoffenheit und soziale Zukunftsorientiertheit. Man sei auf einem guten Weg für die Zukunft. Basel müsse sich auch den aktuellen Herausforderungen stellen und die Regierung sei sich den Chancen aber auch den Risiken bewusst. Mit diesem Smart City Lab Basel gäbe es jetzt einen Ort für solche Entwicklungen und Innovationen. Sie sei froh über die Zusammenarbeit mit der SBB. Der Güterverkehr und die Mobilität seien grosse Herausforderungen für die heutigen Städte. Durch den starken Bevölkerungszuwachs in Basel, steige auch der Pendlerverkehr. Der Güterverkehr sei wegen der Zunahme des Onlinehandels im stetigen Wachstum. Darum wäre der ehemalige Güterbahnhof Wolf ideal für den Standort des Labs. Bereits seien einige Partner vor Ort. Dann lobte Frau Ackermann noch die Zusammenarbeit mit der SBB. Neben vielen Plattitüden blieb sie viele Antworten schuldig; zum Beispiel, was wird besser an der Lebensqualität der Menschen, wer sind die Partner (warum kommen die nicht zu Wort), was kostet das Lab die Stadt usw. Ganz vergessen hat sie zu erwähnen, dass es das Lab nur bis 2024 geben wird, da danach an diesem Ort ein neues Quartier entstehen soll, es handelt sich also um eine Zwischennutzung.

Von Rechts Andreas Meyer, Elsiabeth Ackermann, Benedikt Würth (c) P. Karger

Benedikt Würth hat das Smart City Lab als Leuchtturm bezeichnet, der von Basel aus in die ganze Schweiz ausstrahlen muss. Dann lobhudelte er die SBB für Ihr Engagement. Er sprach sich für eine Vereinheitlichung der Digitalisierung in der ganzen Schweiz aus und meinte damit die Aufhebung der Selbstständigkeit (also des Föderalismus) der Kantone. Zumindest im elektronischen, digitalen Einsatz der Mittel sei dies unbedingt nötig. Seine zweite Aussage ist eher exotisch: der Reichtum der Schweiz behindere die Digitalisierung, Estland sei zum Vorzeigeland der Digitalisierung geworden, weil sie Arm seien und darum die billigen digitalen (er bezeichnete sie als intelligente) Lösungen suchen mussten. Darum müsse der Bund jetzt koordinieren und die Prozesse steuern und vereinheitlichen – meinte er mit Bund etwa die SBB? Innovation sei es immer dann, wenn der Markt ‚Hurra‘ brülle, was für eine Aussage! Der Markt der Zukunft sei eben vernetzt und verflochten und darum brauche es solche Labs.

Ganz Allgemein frage ich mich, wie die industrielle Revolution ausgegangen wäre, wenn bereits am Anfang alles geplant und alle nach Normen verlangt hätten.

Andreas Meyer bedankte sich für die Unterstützung aller Beteiligten. Das Wolf Areal sei einzigartig in der Schweiz, weil es so gross ist und total neu entwickelt werden kann. Es sei prädestiniert für eine Stadt in der Stadt. Es können leben, wohnen, arbeiten, Mobilität der Menschen und Güter also die ganze Citylogistik auf einem Areal geschaffen und ausprobiert werden. Genau hier liegt aber auch das Problem. Eine neu gebaute Stadt kann vielleicht am Reissbrett – auch digital – entwickelt werden, sie bleibt aber immer eine Art Ausstellung der Möglichkeiten und kann nie auf Orte angewandt werden, die über viele Jahrhunderte entstanden sind. Beispiele wie schnelleres und effizienteres Bauen, gibt es schon und auch die SBB brüsten sich, den Umbau des Bahnhof SBB wegen der Digitalisierung schneller, günstiger und präziser gestalten zu können. Geplant sei, wie es auf den Bildern schon gezeigt wird ein wohnen und arbeiten ohne Türen, alles ist offen. Auch das ist eine alte Idee, die erstens nichts mit der Digitalisierung zu tun hat und zweitens teilweise schon wieder überholt ist, weil es viele Menschen gibt, die eben nicht so leben wollen. Auch Meyer geht nicht darauf ein was mit dem Lab wirklich geplant ist und bleibt vage was die SBB damit bezweckt. Wichtig ist auch für ihn eine Schweizweite Standardisierung und natürlich will die SBB den Standard mitbestimmen. Klar ist, dass die SBB, als der grösste Immobilienbesitzer der Schweiz, der gleichzeitig weitaus das weiteste Schienen-, Strom- und Kommunikations-Netz betreibt aus kommerziellen Gründen bei der nationalen Entwicklung an vorderster Front mitmischen will. Die Grosszügigkeit gegenüber den Kantonen, ist sicher nicht auf ein gutes Herz der SBB-Führungsetage zurückzuführen. Immerhin stehen die meisten Immobilien der SBB auf enteignetem Grund; was, wenn die Kantone oder ehemaligen Besitzer die Grundstücke, die die SBB nicht mehr braucht, zurückverlangen? Was wenn Basel beschliesst auf dem Wolf und im St. Johann selber zu entwickeln und zu bauen? Mit Aktionen, wie der Gemeinsamen Entwicklung von Gebieten lullt die SBB die eigentlich immer noch ein Staatsbetrieb ist die Bevölkerung und die Politik ein und profitiert weiter. Nicht nur beim Betrieb der vielen Im mobilien, auch bei der Vereinheitlichung aller Netze profitiert vor allem die SBB. Auch bei der Flut von Daten, die bei vernetzten Städten entstehen. sahnt an vorderster Front die SBB ab, dies hilft ihr bei der Werbung und auch die Konkurrenz kann so zurückgedrängt werden. Die aufbereiteten Daten wird die SBB dann wieder an Bund, Kantone und andere Verkaufen.

So wurde vor Ort geworben (c) P. Karger

Als endlich der rote Vorhang, der die ganze Zeit über einem grossen Pavatex-Kubus lag, heruntergezogen wird, klatschen die Anwesenden verhalten. Zum Vorschein kommt ein Holzkubus der zweistöckig ist und unten Nischen mit Arbeitsplätzen und scheinbar einem Teil zum Relaxen enthält. Creators-Box nennt die SBB so ein Gebilde, diese Box soll zeigen wie es später in der Halle aussehen wird. Niemand erklärt was genau mit den Boxen geschehen soll. Sie sei vernetzt sagt der Gesamtprojektleiter der SBB, die Box könne wachsen und sich den Bedürfnissen anpassen. Hinten könne man zum Beispiel an einem Laptop arbeiten, was für eine Innovation!?

Wie Zufällig hingestellt, direkt vor der Hall (c) P. Karger

Auch wenn ein Smart Lab sicher eine gute Hilfe ist für die Weiterentwicklung der Digitalen Schweiz, bleiben nach dieser Eröffnung sehr viele Fragen übrig. Gar nicht angesprochen wurde die Daten-Sicherheit. Was passiert wirklich mit den gesammelten Daten, wer verwaltet diese und wie werden die weitergegeben und eingesetzt. In keiner Weise innovativ und digital war die Pressemappe, diese ist gespickt mit Papier und der Projektbeschrieb der Arealüberbauung ist über hundert Seiten dick und auf Papier gedruckt.

 

 

 

 

Beitrag in der Gundeldingerzeitung, April 2018 

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